Absagen: Der Teil Ihrer Arbeit, den Sie verschenken

Kurz & knapp

Eine Beratung erzeugt weit mehr Absagen als Besetzungen. Da abgelehnte Kandidaten später selbst in Entscheidungspositionen kommen, ist die Qualität der Absage ein langfristiger Vertriebsfaktor, kein Höflichkeitsthema.

Rechnen Sie einmal Ihr Verhältnis aus. Wie viele Menschen haben Sie im letzten Jahr angesprochen, wie viele davon gesprochen, wie viele vorgestellt, und wie viele wurden am Ende eingestellt?

Bei den meisten Beratungen kommen auf eine Besetzung zwischen fünfzehn und dreißig Menschen, die eine Absage bekommen haben. Das ist keine Schwäche des Prozesses, es ist der Prozess. Bemerkenswert ist nur, wie wenig Aufmerksamkeit dieser Teil bekommt, obwohl er den größten Teil Ihres Kontaktvolumens ausmacht.

Wer diese Menschen in fünf Jahren sind

Ein Kandidat, den Sie heute für eine Teamleitung vorstellen und der es nicht wird, ist in fünf Jahren mit einiger Wahrscheinlichkeit Abteilungsleiter. Damit ist er jemand, der über die Besetzung eigener Stellen mitentscheidet oder zumindest gefragt wird, welche Beratung man nehmen sollte.

Er wird sich dann nicht an das Mandat erinnern. Er wird sich an das Gefühl erinnern, das die Absage hinterlassen hat. Menschen erinnern Ablehnung präziser und länger als Zustimmung.

Dazu kommt die kurzfristige Wirkung. Kandidaten sprechen miteinander, besonders innerhalb einer Branche. Bewertungsportale existieren auch für Personalberatungen. Und der Kandidat, den Sie heute schlecht behandeln, ist der, den Sie in acht Monaten für ein anderes Mandat brauchen.

Was üblicherweise passiert

Drei Varianten dominieren, und alle drei richten Schaden an.

Gar keine Rückmeldung. Der Kandidat hat ein Vorgespräch geführt, vielleicht Unterlagen geschickt, teilweise beim aktuellen Arbeitgeber Urlaub genommen. Dann Stille. Das ist der Fall, der am längsten erinnert wird.

Die Standardmail ohne Inhalt. "Wir haben uns für einen anderen Bewerber entschieden." Der Kandidat weiß danach exakt so viel wie vorher. Der Aufwand war null und der Kandidat merkt es.

Die freundliche Nichtaussage. "Ihr Profil hat uns überzeugt, leider gab es noch passendere Kandidaten." Das klingt besser, sagt aber ebenfalls nichts und wirkt bei genauerem Lesen ausweichend.

Was eine Absage leisten kann

Der Unterschied liegt nicht in der Länge, sondern darin, ob ein einziger konkreter Satz vorkommt.

Ein Grund, der überprüfbar ist. "Der Mandant hat sich für einen Kandidaten mit Erfahrung in der Serienfertigung entschieden, das war am Ende der Ausschlag." Der Kandidat kann damit etwas anfangen. Er weiß, dass es nicht an seiner Person lag, und er weiß, woran er beim nächsten Mal denken muss.

Eine Einordnung, wo er stand. "Sie waren unter den letzten drei" ist eine Information, die der Kandidat sonst nirgends bekommt. Sagen Sie es nur, wenn es stimmt.

Eine klare Aussage zum weiteren Kontakt. Statt "wir behalten Sie gern im Auge" lieber: "Ich melde mich, wenn im Bereich Produktionsleitung etwas in Ihrer Region aufkommt. Erfahrungsgemäß ist das zwei- bis dreimal im Jahr der Fall." Das ist überprüfbar, und Sie müssen sich daran halten.

Bei knappen Entscheidungen ein Anruf. Wer im Finale war, hat drei Gespräche geführt und sich innerlich mit der Position beschäftigt. Diese Absage per Mail zu schicken, spart vier Minuten und kostet den Kontakt.

Der Aufwand, ehrlich gerechnet

Eine brauchbare Absage zu schreiben dauert vier Minuten, wenn Sie eine Vorlage haben, in die Sie einen konkreten Satz einsetzen. Bei zwanzig Absagen pro Mandat sind das etwa achtzig Minuten.

Achtzig Minuten auf ein Mandat mit dreißig Stunden Aufwand sind gut vier Prozent. Dafür bearbeiten Sie den Teil Ihres Kontaktvolumens, der zwanzigmal größer ist als der Teil, in den Sie die restlichen sechsundneunzig Prozent stecken.

Kein anderer Punkt im Prozess hat ein derart schiefes Verhältnis zwischen Kontaktmenge und Aufmerksamkeit.

Die zwei Regeln, die den Unterschied machen

Erstens: eine Frist. Legen Sie fest, dass jeder Kandidat, der ein Gespräch geführt hat, innerhalb von fünf Arbeitstagen nach der Entscheidung eine Rückmeldung bekommt. Auch dann, wenn die Entscheidung noch aussteht ("Der Mandant entscheidet in der kommenden Woche, ich melde mich danach"). Das Warten ohne Information ist schlimmer als die Absage.

Zweitens: kein Versprechen, das Sie nicht halten. Der Satz "wir kommen auf Sie zu" wird zur Belastung, wenn nie jemand kommt. Sagen Sie lieber nichts über die Zukunft, als etwas, das Sie in drei Monaten vergessen haben.

Wer beides einführt, verändert innerhalb eines Jahres nichts an seiner Besetzungsquote. Er verändert, was zwanzigmal so viele Menschen über ihn erzählen.

Zwei Hinweise zur Umsetzung

Wenn Sie mit Vorlagen arbeiten, achten Sie darauf, dass die individuelle Stelle im Text nicht am Ende steht. Viele Absagemails setzen den persönlichen Satz hinter zwei Absätze Standardformulierung. Bis dahin hat der Empfänger aufgehört zu lesen. Der konkrete Grund gehört in den ersten oder zweiten Satz.

Und beachten Sie die Aufbewahrung. Wer Kandidatendaten für spätere Ansprachen behalten will, braucht dafür eine saubere Grundlage und muss sagen können, wie lange die Daten bleiben. Der Satz "Ich behalte Ihre Unterlagen, melden Sie sich einfach" ist gut gemeint und rechtlich zu dünn. Ein Satz, der die Speicherdauer nennt und den Widerruf ermöglicht, kostet eine Zeile mehr und macht aus dem Pool eine belastbare Grundlage statt eines Risikos.

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